Gegen Calvin _ Sebastian Castellio

Gegen Calvin _ Sebastian Castellio

32,00

Sebastian Castellio
Gegen Calvin
Contra libellum Calvini
Übersetzt und kommentiert von Uwe Plath
Herausgegeben von Wolfgang F. Stammler
427 Seiten mit Abbildungen, Leinenband mit Schutzumschlag und zwei Lesebändchen.

ISBN 978-3-939973-62-1

 

Beschreibung

In diesem erstmals ins Deutsche übersetzten Buch spitzt sich die Auseinandersetzung zwischen Castellio und Calvin, die mit dem MANIFEST DER TOLERANZ begonnen hatte, noch weiter zu. In ihm findet sich auch der später berühmt gewordene Satz :

»Hominem occidere, non est doctrinam tueri, sed es hominem occidere …«

(»Einen Menschen töten heißt nicht, eine Lehre verteidigen, sondern einen Menschen töten. Als die Genfer den Servet töteten,  haben sie nicht eine Lehre verteidigt, sondern einen Menschen getötet. Eine Lehre zu verteidigen ist nicht Aufgabe der Obrigkeit 〈was hat das Schwert mit der Lehre zu tun?〉, sondern die der Gelehrten.  Sache der Obrigkeit ist es, den Gelehrten zu schützen, so wie sie auch den Bauer, den Handwerker, den Arzt und all die anderen gegen Unrecht schützt. Hätte also Servet den Calvin töten wollen, so hätte ihn die Obrigkeit zu Recht verteidigt. Da Servet aber mit Argumenten und Schriften gekämpft hat, musste er auch mit Argumenten und Schriften bekämpft werden.«)

Calvin hatte nach der durch ihn veranlassten Verbrennung des »Ketzers« Miguel Servet 1553 in Genf und nach dem Sturm der Entrüstung, der über ihn nach Castellios Kampfschrift De haereticis an sint persequendi (Über Ketzer und wie man mit ihnen verfahren soll; siehe DAS MANIFEST DER TOLERANZ) eine Rechtfertigungsschrift verfasst, in der er die Richtigkeit seines Vorgehens begründet. Castellio gab dies die Gelegenheit, sich mit Calvins Argumenten auseinanderzusetzen, und hat diese in seinem Contra libellum Calvini Satz für Satz zerpflückt.

Nach Bekanntwerden dieser Schrift in Genf begann das, was Castellio später in einer Widmung an den Basler Freund Amerbach den Kampf »der Mücke gegen den Elefanten« nannte. Calvin mobilisierte von nun an sämtliche der mit ihm verbündeten reformatorischen Kräfte in der Schweiz gegen Castellio. Er erhielt Schreibverbot, wurde bespitzelt und als Verräter an der Sache der Reformation gebrandmarkt. Neun Jahre dauerte dieser Kampf, bis Castellio zuletzt doch noch — ausgerechnet in seinem als liberal geltenden Basel — als »Ketzer« angeklagt wurde. Hätte er diesen Prozess verloren, hätte ihm — wie Servet — der Tod auf dem Scheiterhaufen gedroht. Dreiundreißig Tage nach seiner Verteidigung, die im MANIFEST DER TOLERANZ nachzulesen ist, erlöste ihn sein eigener Tod. Am 29. Dezember 1563 starb er an Verbitterung und Erschöpfung, und mit ihm einer der großen einsamen Helden, die um ihres Gewissens willen im Kampf gegen die Unterdrückung der Meinungsfreiheit und gegen die Gewalt ihr Leben riskierten.

Stefan Zweig schrieb über ihn an seinen Freund Romain Rolland: »Ich habe einen neuen Helden entdeckt«, schrieb  Stefan Zweig an Romain Rolland. »Es ist Sebastien Castellion, der nach dem großen Verbrechen gegen Servet die Stimme gegen den omnipotenten Calvin erhoben hat und Meinungsfreiheit verlangte, der es ablehnte, daß man einen anderen, der nicht die eigene Meinung vertritt, einen Häretiker nennt. Ich las diese Schriften, sie sind von einer Kraft und Seelenreinheit, die erstaunlich sind.«

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