Das Manifest der Toleranz _ Sebastian Castellio, Stefan Zweig u. a.

Das Manifest der Toleranz _ Sebastian Castellio, Stefan Zweig u. a.

34,00

DAS MANIFEST DER TOLERANZ
Sebastian Castellio
Über Ketzer und ob man sie verfolgen soll
De haereticis an sint persequendi
Mit Beiträgen von Stefan Zweig, Hans R. Guggisberg und Uwe Plath
Herausgegeben und mit einer Einführung von Wolfgang F. Stammler
440 Seiten mit 38 Abbildungen, Leinenband mit Schutzumschlag und zwei Lesebändchen.

ISBN 978-3-939973-61-4

 

Beschreibung

In diesem Buch wird dem Leser erstmals ein Werk in deutscher Übersetzung vorgestellt, das die Geschichte der Toleranz und des Kampfes um Gedanken- und Glaubensfreiheit maßgeblich beeinflusst hat: Sebastian Castellios De haereticis an sint persequendi aus dem Jahr 1554, in dem er die Mächtigen seiner Zeit eindringlich ermahnte, Andersdenkende nicht zu verfolgen und zu töten. 

Als am 27. Oktober 1553 im reformierten Genf mit dem spanischen Arzt und Humanisten Miguel Servet erstmals ein »Ketzer« bei lebendigem Leib verbrannt wurde, ging ein Aufschrei der Empörung durch die Reihen derer, die vor den Scheiterhaufen der Inquisition in die Schweiz geflohen waren. Welches Recht hatte ausgerechnet die Reformation, Andersdenkende zu verfolgen? War diese nicht selbst die Frucht einer Gewissens- und Glaubensüberzeugung von Andersdenkenden gegenüber der katholischen Lehre?

Diese Empörung fand in dem Basler Humanisten und ehemaligen Mitarbeiter Calvins, Sebastian Castellio (1515–1564), ihre geschichtsmächtigste Stimme. Bereits kurz nach der Hinrichtung Servets erschien seine Schrift De haereticis, in der er sich mit eindringlicher Schärfe dagegen aussprach, Ketzern anders als mit »geistlichen Waffen« zu begegnen, geschweige denn sie zu töten. Wenn man Menschen wegen Habgier, Lügen und Verleumderei schon nicht töte, warum dann ausgerechnet Ketzer? Denn was ist denn ein Ketzer? »Trotz vieler Nachforschungen darüber, was ein Ketzer sei, konnte ich nichts anderes feststellen, als dass jeder für einen Ketzer gilt, der anders denkt als wir.«

»Welch ein stiller Held«, schrieb Stefan Zweig an seinen Freund Romain Rolland, »und welch freier Geist, dieser Castellio, dieser Arme, dieser Isolierte, dieser Erasmische ohne den beißenden Spott, ohne dessen Schwäche. Ich bin wirklich sehr dankbar, diesen edlen Charakter gefunden zu haben.« Doch sei es, so klagt er, »manchen verhängt, im Schatten zu leben, im Dunkel zu sterben«.

Gebührt Stefan Zweig das Verdienst, Castellios Namen und Wirkung aus dem Schatten der Geschichte befreit zu haben, so ist es nun an der Zeit, auch seine (überwiegend lateinisch verfassten) Schriften aus dem Dunkel der Bibliotheken hervorzuholen und einem aufgeschlossenen Publikum in zeitgemäßer Gestalt zugänglich zu machen. Deren Anliegen war es, das Bewusstsein der Menschen seiner Zeit dafür zu schärfen, wie es gelingen kann, Toleranz gegen Intoleranz, Humanität gegen Fanatismus, Individualität gegen Funktionalisierung zu verteidigen — oder anders gesagt: das Humane vor dem Politischen, Menschlichkeit und Freizügigkeit vor staatlichem und gesellschaftlichem Zwang, die Freiheit des Gewissens vor jeglicher Art bevormundender Gewalt zu schützen. Ein Anliegen, das heute von unerwartet neuer und beklemmender Aktualität ist angesichts der Bedrohung durch die elektronische Überwachung, der sämtliche Bereiche unserer Gesellschaft inzwischen ausgesetzt sind.

Diese Sorge um den Schutz des freien Willens, die Furcht vor der Bedrohung der Gewissens- und Glaubensfreiheit (»Niemand kann für einen anderen glauben«), durchzieht die meisten von Castellios Schriften. Sie sind nicht nur von einem tief empfundenen, leidenschaftlichen und christlich gelebten Humanismus geprägt, sie sprechen auch eine Sprache, die in ihrer Lebendigkeit und Bildhaftigkeit auch viele seiner nicht akademisch gebildeten Zeitgenossen angesprochen hat.

Die nun vorliegende Ausgabe seiner ersten Schrift, seinem Plädoyer für Gewissensfreiheit und gegen Ketzerverfolgung, bildet innerhalb unserer neuen BIBLIOTHEK HISTORISCHER DENKWÜRDIGKEITEN den Auftakt zu einer Reihe weiterer, erstmals ins Deutsche übersetzter Ausgaben von Castellios Schriften.

Thomas Mann schrieb 1936 an Stefan Zweig über sein Buch:
»So eifrig und ganz in Banden geschlagen von der Materie und ihrer Gestaltung habe ich lange kein Buch mehr gelesen wie Ihren Castellio! Es ist eine Sensation, tief erregend, allen Abscheu und alle Sympathie des Tages auf ein historisches Objekt sammelnd, welches lehrt: Es ist immer dasselbe. Das ist trostlos und tröstlich zugleich. Ich wußte gar nichts von Castellio, bin wahrhaft erfreut von seiner Bekanntschaft und habe eine neue Freundschaft, zurück in der Zeit, geschlossen. Ich danke sie Ihrem Buch, danke Ihnen. Meinen Glückwunsch und herzliche Grüße von mir und meinem Hause.
Ihr Thomas Mann«

Presse und Rundfunk über dieses Buch

 

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