
Vor der Knolle, „Bionade“-trinkend, fällt unserem Reisenden aber auf, dass noch Schinken fehle, um die geplanten Melonenstreifen zu umwickeln. Schon strebt er zurück zur „Metzgerei Lehne“, doch da können wir ihn darauf aufmerksam machen, dass das doch gar nicht nötig sei, bei der Hildesheimer Vielfalt: dass es doch gleich nebenan, auf der Goschenstraße, die Biometzgerei „Fein & Köstlich“ gibt. Und gerade in Sachen „Schinken“, überzeugen wir den Reisenden, sei „Bio“ einfach unschlagbar.
So finden wir uns denn binnen einer Minute in dem kleinen Ladenlokal ein paar Häuser weiter wieder, um uns von ausgesuchtem Bioland(!)-Fleisch, ausschließlich hergestellt bei Metzger Karl „Kalle“ Buchheister, den passenden Schinken zur Melone empfehlen zu lassen. Während die hauchdünnen Schinkenscheiben auf das Wachspapier gleiten, lassen wir den Blick über die Wurstauslage und die Regale mit allerlei Leckerem schweifen. Weine und französische Bio-Entenbrust stehen hier, und ebenfalls Öle aus der Sonnenmühle. Alles ist sehr familiär und persönlich, wie überhaupt die ganze Neustadt eine eigene Atmosphäre ausstrahlt. „Wir sind hier in Öko-City“, lacht die Inhaberin, „und hier bilden wir alle eine Gemeinschaft, auch die Läden untereinander.“
Vielleicht würde der Reisende hier noch eine Broschüre der „Karl Buchheister GmbH Bioland“, zu der „Fein & Köstlich“ gehört, in die Hand nehmen, um dort zu erfahren, was die Biofleischgenossenschaft neben gesunden Lebensmitteln und ökologischer Verträglichkeit noch interessiert: nämlich „Nachhaltigkeit“ und ein „fairer Umgang mit unseren Lieferanten“. Denn: „Wir glauben, dass Unternehmen eine soziale Verantwortung in der Gesellschaft haben.“

Nun hat unser Besucher schon einen sehr eindrucksvollen kulinarischen Spaziergang durch Hildesheim gemacht. Doch ist er noch nicht zufrieden. „Als Aperitif bräuchten wir für das Menü noch etwas Feines zur Melone.“ Dazu müssen wir einfach weitere 300 Meter gehen – zur Bushaltestelle „Immengarten“ an der Goslarschen Straße. Von dort fahren wir mit der Buslinie 4 nach Moritzberg – dem zweiten „Zentrum“ des Stadtgebiets Hildesheim, wiederum einer verwunschenen Ecke mit vielen inhabergeführten Geschäften. Hier residiert, ganz in der Nähe einer Filiale von „Kohl & Co“, die in einem schönen Fachwerkhaus in der Dingworthstraße eingerichtet ist, auch der spanische Spezialitätenladen „El Mercado“. Bei „El Mercado“ gibt es alles, was gut und „typisch spanisch“ ist.

Beim Betreten des Ladens fühlt man sich schon wie im Urlaub: Links und rechts an den Wänden ziehen sich zuerst große Tiefkühltruhen hin, in denen die Schätze und Köstlichkeiten der Weltmeere liegen: ganze Tintenfische, Sardinen, Fische in allen Größen und Farben, Thunfischsteakes, Muscheln aller Art, Langusten, Sepia … Etwas weiter hinten entdeckt unser Reisender eine Eiscreme, wie er sie noch nie gesehen hat: eine ausgehöhlte Zitrone, gefüllt mit Zitroneneis, daneben eine Orange, eine Papaya, eine Melone, eine Kakaobohne, eine Kokosnuss – alle gefüllt mit Eiscreme. Und echte Keramikschälchen mit „Creme Catalan“-Eis darin! Schon springt der Blick weiter zu einem Regal mit Dosen und Gläsern, in denen köstliche Tapas eingelegt sind. Weiter hinten ein Weinregal mit den herrlichsten Tropfen des kräftigen spanischen Tinto, daneben bernsteinfarbener Brandy, Kräuterbrände und Liköre – edle Flüssigkeiten, wie sie nur in der Atmosphäre abgeschiedener spanischer Abteien entstehen können.

An einem Ständer hängt ein prächtiger „Jamon“, ein ganzes Schinkenbein, daneben in einer Kühltheke Würste: Chorizo und ihre Verwandten, auch jene kleinen schwarzen, würzigen Würstchen, die ganz köstlich warm als „Bocadillo“ in einem Brötchen schmecken, dazu einen kühlen Cava. Weiter sind dort spanische Käselaiber und natürlich auch Serrano-Schinken in Scheiben für den Hausgebrauch. Und schon springt unser Reisender weiter zu einem Tisch, auf dem spanisches Bier aufgereiht ist in den in Spanien handelsüblichen Flaschen von einem Liter bis zu 0,25 – mit Kronkorkendrehverschluss!
Und es gibt gute Atmosphäre! Eine muntere deutsch-spanische Runde hält um Inhaber Vicente Hernandez bei Tapas und Bier ihren zweisprachigen Klönschnack. Unser Reisender ist im Nu in die Runde integriert und lässt sich in die Geheimnisse der original spanischen Paella einweihen. Stolz zeigt Vicente seine Paella-Pfannen und seinen Paella-Grill, auf dem er schon in der ganzen Stadt seine Paella gekocht hat, auch in der Küche des „Tontopf“-Teams von Radio Tonkuhle und bei der Kochshow „Essen am Ersten“ auf der Wiese vor dem Stadttheater. Nach eingängiger Beratung entscheidet sich unser Reisender für eine Flasche feinen Jerez, also Sherry, der die geschmackliche Verbindung zwischen der süßen Melone und dem kräftigen Schinken herstellt. Würden wir nicht auf Aufbruch drängen, unser Reisender hätte den gerade erworbenen Sherry in der geselligen Runde schon vor Ort leer getrunken. So aber bleibt noch Zeit, sich um den letzten fehlenden Punkt der Menüfolge zu kümmern: den Espresso „danach“.

Zu diesem Zweck wandern wir mit dem angeheiterten Reisenden von Moritzberg wieder stadteinwärts und steigen am Dammtor in die Linie 5 Richtung Ochtersum. Dort finden wir, von der St.-Godehard-Straße auf einen Fußweg abzweigend, mit etwas Glück und Ortskenntnis, versteckt auf einem malerischen alten Hof, den Laden „Coffea, Kaffee und Kultur“.
In dem ausgesprochen geschmackvoll eingerichteten Ladenlokal wird die Nase unseres Freundes betört von den Düften von Kaffee und den unzähligen Sorten Schokolade und seine Augen gehen über angesichts edler Auswahl und exquisiter Ausgesuchtheit all der Dinge:

Schokoladenspezialitäten von Dolfin, Stainer Bio, Grand Cru Schokoladen von Voiron, Dörte Barisch aus Lüneburg, Le chocolatier Manon, Michel Cluizel … Des weiteren feine Kaffeesorten aus verschiedenen Anbaugebieten der Welt von kleinen Kaffeeanbauern, die ihre Kaffeekirschen – je nach Reifegrad – noch sorgfältig von Hand pflücken. Die Bohnen werden im Hause mild, schonend und in Handarbeit geröstet. Und schönes, prächtiges und edles Geschirr und Kannen aus Porzellan, Keramik, Glas oder Metall sowie vielseitige Geschenkideen rund um den Kaffee ergänzen das Angebot auf schönste Weise.

Entstanden ist der Laden aus Passion: Cafés gibt es viele und ein vielfältiges Angebot an verschiedensten Kaffeesorten in Supermärkten gibt es ebenfalls im Überfluss – doch einen Kaffeeladen mit reinen, feinen und sehr ausgewählten Kaffeebohnen, die direkt im Geschäftsraum geröstet, gemahlen und anschließend dem Kunden überreicht werden, dafür musste der Hildesheimer schon weit fahren.
So beschloss Ursula Kreye-Wagner, als sie erfuhr, dass ein schöner Geschäftsraum im netten Ambiente im Stadtteil Ochtersum frei wurde, ihre Idee von einem Kaffeeladen umzusetzen. Seit Mai 2007 können im „Coffea“ nach Herzenslust herrliche Kaffeesorten probiert und für den Genuss zu Hause erworben werden.In voller Verzückung plädiert der Reisende dafür, das gesamte Sortiment des Ladens zu kaufen, und wir haben größte Mühe, ihn auf ein duftendes Päckchen fair gehandelten Arabica-Espresso zu beschränken.
Nun sind wir mit unserem Reisenden in Ochtersum, euphorisiert vom angenehmen Einkaufserlebnis, noch nicht ganz am Ende unserer Tour. „Es ist hier wie überall, in Frankfurt, München und Berlin“, sagt er, „du bekommst nicht alles in den kleinen Geschäften, für manches brauchst du doch einen gut sortierten Supermarkt.“

Ein solcher ist der HIT-Markt gleich um die Ecke in der Rex-Brauns-Straße in Ochtersum, nur wenige Schritte von „Coffea“ entfernt. Hier gibt es alles! Wirklich alles! Und das in ausgezeichneter Qualität. Wie das Sortiment ist die Einrichtung und die Beleuchtung ausgesprochen heimelig gestaltet. Die Mischung aus Hausmannskost und Exquisitem, Regionalem und Exotischem sowie die Sorgfalt in der Anordnung und Gestaltung, das alles erzeugt den Eindruck von individueller Auswahl, und so ist es auch. Der HIT-Markt in Ochtersum ist ein inhabergeführtes Geschäft, das der Marke HIT angehört. Daher kommt es, dass die Betreiber dem riesigen Supermarkt eine ganz besondere Note verleihen können. Und diese Note kommt an! In Hildesheim kennt man den HIT, und zwar in der ganzen Stadt. „Es gibt viele Supermärkte in Hildesheim, aber nur einen HIT“, sagen alle, die einmal hier waren. Und so kaufen wir noch all das, was zu unserem guten Abendessen noch fehlt.

So fahren wir dann nach Hause in unsere Wohnung – mit uns der erschöpfte, aber glückliche Reisende. Dort bereiten wir all unsere Einkäufe zu einem leckeren Mahle, zum Kochen trinken wir ein schönes kühles Pinkus. Beim Espresso dann – jener mit ein wenig Rum – wird über dem Stadtplan sondiert, wo es in Hildesheim am schönsten zu wohnen ist.
Am nächsten Morgen wird unser neuer Freund dann, statt wie geplant in Kirchen und Museen zu gehen, beschließen, seinen Wohnsitz nach Hildesheim zu verlegen, und sich von der gbg von der Wohnungssuche beraten lassen. Darauf würden wir nach diesem Einkaufsbummel Wetten abschließen.