Die Kloßmasse nach Packungsanleitung zubereiten und das Ei und Salz (Menge nach Geschmack) unterrühren. Dann zu länglichen, etwa 8 cm langen Klößen (als Kinder sag-ten wir „Fuchsköttel“ dazu, ostpreußisch heißt das „Keilchen“) formen und in Salzwasser kochen.
Die Zwiebeln und die zwei Specksorten in grobe Würfel schneiden. Den Speck in der Pfanne bräunen, die Zwiebeln hinzugeben und alles zu einer braunen Masse anbraten. Nun von dem kochenden Klößewasser eine Kelle voll dem angebratenen Speck-Zwiebel-Gemisch (ostpreußisch „Spirkel“) hinzufügen und zu einer sämigen Flüssigkeit eindicken.
Die Keilchen abgießen und in einer Schüssel servieren. Ebenso die Spirkel anbieten. Jeder kann dann, nach seinem Belieben, das leckere ostpreußische Gericht auf seinen Teller füllen. Es wird kein weiteres Gemüse dazu gereicht.
Wenn Sie viel Zeit haben, können Sie die Klöße auch nach altem ostpreußischen Rezept selbst herstellen: 500 g geschälte, rohe Kartoffeln reiben und, wie meine Mutter es immer machte, durch ein Küchenhandtuch ausdrücken. Dann 250 g kalte gekochte Kartoffeln zerstampfen und unter den rohen Kartoffelbrei mischen.
Meine Vorfahren kamen zum Abtäufen des Kohlebergwerkes Lohberg kurz nach 1900 aus Ostpreußen ins Ruhrgebiet. Im Zweiten Weltkrieg flohen auch die Eltern meiner Frau von Ostpreußen nach Duisburg. So wurden in wunderbarer Weise Teile des alten Gedanken-gutes, der Einstellung zu Arbeit, Leben und Welt, Bruchstücke sprachlicher und sozialer Kultur von der einen auf die nachfolgende Generation übergeben, also auch die Esskul-tur. Bis heute läuft mir das Wasser im Mund zusammen, wenn ich beim Zubereiten von „Keilchen und Spirkel“ schon den Geruch in der Nase verspüre. Und für dieses ostpreußi-sche Essen – kräftig im Geschmack, deftig und sättigend – ließen meine Frau und ich wohl manches Kalte Buffet unbeachtet stehen.
In meiner künstlerischen Arbeit habe ich Arbeiten gestaltet, die Gegenständen des tägli-chen Gebrauchs enthalten: Töpfe, Pfannen, Messer, Gabeln, Flaschen, Kuchen- und Ess-teller. Dazu Speisen, Tiere und Pflanzen aus Plastikmaterial und Polyester. Ich habe die Inhalte kochen, braten und brutzeln lassen und die Objekte zum Teil sogar in das große Objektfenster in der Ev. Kirche „Unsere Arche“ in Hünxe-Bruckhausen und in meine Kru-zifixobjekte eingearbeitet. Selbst in der Gedenkstätte für die Clemensschwester Maria Euthymia im Park des St. Vinzenz-Hospitals in Dinslaken finden sich Brot, Suppe, Messer und Löffel. Vieles davon konnte nur entstehen, weil die Menschen in Dinslaken sozial offen und kulturell vielseitig interessiert sind und sich zu schöpferischen Taten – wenn auch zunächst nicht mit großer Begeisterung – tolerant und einsichtig verhalten. Meine Frau und ich wünschen uns in Dinslaken weiterhin diese Offenheit, diese spannende Vita-lität, gepaart mit Lebensfreude und Mut.
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